Blogger für Flüchtlinge.

Zuallererst möchte ich auf diese Aktion hinweisen, die mich dazu gebracht hat, auch hier etwas zu dem Thema Flüchtlinge zu sagen: BloggerfürFlüchtlinge.betterplace.org

fill_730x380_bloggerfuerfluechtlinge_headerMir fehlen die Worte für einen guten Start dieses Blogposts. Deshalb fange ich einfach mittendrin an.

Ich bin seit Wochen täglich angewidert und immer wieder fassungslos. Was ist nur in diesem Land los? Was ist nur das Problem so vieler Leute (auch ich möchte den Begriff Mensch nicht für diese „Ja, aber“-Nazis verwenden)? Es kann doch nicht sein, dass WIR, eins der reichsten Länder der Erde, dessen Armutsgrenze so weit oben liegt, dass man in anderen Ländern eine ganze Familie davon über Monate ernähren könnte, dass Leute in diesem Land nichts besseres zu tun haben, als gegen Menschen zu hetzen, die alles verloren, alles zurück gelassen haben. Gegen Menschen, die oftmals nicht einmal ihre Familie, nein, nur ihr eigenes nacktes Leben retten konnten. Wie kann es sein, dass es tatsächlich Leute gibt, die vor Neid, Hass und Dummheit nicht dazu in der Lage sind, zu erkennen, wie gut sie es selbst haben?

Es ist nicht euer Verdienst, dass ihr hier lebt. Zumindest in den meisten Fällen nicht. Es ist nicht euer Verdienst, dass unser Staat reich ist. Es ist nicht euer Verdienst, dass wir hier Frieden haben. Das ist sogar ganz sicher nicht euer Verdienst. Es ist nicht euer Verdienst, dass wir durch die Bank weg mit Handys und Smartphones versorgt sind, auch wenn ihr euch gern einreden wollt, dass ihr ja dafür arbeiten geht. Eine Frau in Bangladesch geht mit Sicherheit deutlich härter arbeiten als ihr und kann sich nicht das neueste Smartphone aus Korea oder den USA leisten. Und es ist auch nicht euer Verdienst, dass ihr in einem Land lebt, in dem man eben keine 100 Stunden in der Woche arbeiten muss um über die Runden zu kommen. Ihr habt keinen einzigen beschissenen Grund auf dieses Land stolz zu sein. NICHT EINEN!!! Ihr seid einfach nur privilegiert! Ihr habt das gottverdammte Privileg, in diesem Land zu leben, das reich ist an Geld, Kultur, Schönheit, Frieden, Freiheit, Natur, Ressourcen, Arbeit, Freizeit, Geschichte (ja, ich weiß, wir sind auch arm an Geschichte. Aber eben auch reich.), Sprache (auch wenn viele von euch sie nicht zu benutzen wissen)  und vielen tausend weiteren Dingen.

Nochmal:
Es ist ein Privileg hier zu leben und ich bin sehr dankbar dafür.

Jeden Tag aufs Neue bin ich dankbar, dass ich auf die Straße gehen kann, ohne Angst haben zu müssen, dass mich jemand überfällt. Ich kann reisen, wohin ich will, außer vielleicht Nordkorea, aber da will ich auch nicht unbedingt hin. Ich kann meine Meinung frei äußern, ohne dafür in einem widerlichen Gefängnis zu landen. Ich kann arbeiten, ohne dabei meine Gesundheit zu gefährden. Ich muss nicht täglich eine rational begründete Angst um meine Familie haben. Ich weiß, wenn etwas schief geht, gibt es ein Netz, das mich auffängt. Dafür und für tausend Dinge mehr, bin ich dankbar. Tag für Tag. Und ich teile all dies gern. Mit den Menschen, die nichts davon haben. Egal, ob sie nach Deutschland kommen, weil sie verfolgt werden oder weil sie einfach keine Ahnung haben, wie sie ihre Familie ernähren wollen. Und auch mit denen, die einfach nur auf der Suche nach einem besseren Leben sind.

Ich bin nämlich ebenfalls dankbar für all die Menschen anderer Nationalitäten, Kulturen und Religionen, die ich in meinem Leben kennenlernen durfte. Und damit meine ich Bayern genauso wie Türken, Chinesen wie Amerikaner, Polen wie Menschen von der deutschen Ostseeküste. Jede einzelne Bekanntschaft macht mich reicher. Natürlich gibt es Arschlöcher, die unsere Großzügigkeit einfach nur ausnutzen wollen. Arschlöscher, die Frauen wie Dreck behandeln und gewalttätig sind. Aber die gibt es doch unter Deutschen genauso wie unter Menschen aus Syrien, den USA, Nigeria, England etc. Aber!!!! Wie auch unter Deutschen (auch wenn mich die aktuelle Hass.Situation daran fast zweifeln lässt) sind es AUSNAHMEN!!!!!

Also, legt eure Angst ab. Geht auf die Menschen zu und bildet euch euer EIGENES unverklärtes Urteil. Macht eure Meinung nicht an Hasstiraden fest, die auch vor 80 Jahren viele Zuhörer gefunden hätten. Ja, die Menschen sind uns fremd (und wir sind ihnen fremd). Ja, sie sprechen eine andere Sprache (und finden unsere Sprache genauso fremd und schwer). Ja, viele wollen sich nicht aufs Klo setzen (das finden sie wahrscheinlich einfach total eklig und fragen sich, wie in aller Welt wir so unhygienisch sein können). Ja, manche Frauen tragen Kopftücher (und denken sich, wie wir nur unsere Reize so zur Schau stellen können – sie denken es sich, wohlbemerkt). Ja, sie beten ein paar Mal am Tag (und fragen sich wie wir so gottlos sein können, es nicht zu tun), vielleicht auch etwas lauter. Blabliblub! Scheiß egal!!!! Es sind Menschen. Die haben ihre eigene Kultur und die müssen sie auch nicht ablegen. Sie müssen sich nicht um 180° Grad drehen, nur damit wir sie akzeptieren. Wir müssen sie akzeptieren, wie sie sind. Von einem Katholiken erwartet man auch nicht, dass er dem Weihnachtsmann statt dem Christkind den Sack mit den Geschenken überhängt. Ja, sie sollen unsere Sprache lernen und unsere Werte akzeptieren. Akzeptieren, dass wir anders leben, als sie es bisher getan haben.

Aber: Wir leben in einem Land, das so frei ist, dass jeder hier so leben kann, wie er möchte. In gewissem Rahmen halt. Niemand darf wegen seiner Kultur, Sprache, Religion oder Meinung attackiert werden. Das ist es, wofür wir dankbar sein sollten; wenn euch das so gut gefällt, könnt ihr darauf auch stolz sein, auch wenn es ganz sicher nicht euer Verdienst ist. Und es ist keine Meinung, wenn man ausländische Kinder anpinkelt oder von Steuergeldern bezahlte Bauwerke abbrennt oder „Ausländer raus“ brüllt. Das ist scheiße und verfassungswidrig. Und das zu Recht. Wir haben so viel gelernt in den letzten 70 Jahren. Dieses Land ist so groß geworden! Wir haben eine Chance bekommen. Wir haben sie genutzt. Nun geben wir sie weiter! Denn, auch wenn viele Leute in diesem Land das nicht wahr haben wollen, auch für uns ist es eine Chance.

Hört auf, Menschen, die gerade einer Hölle entronnen sind, zu „begrüßen“ als wären sie im Kreis gelaufen. Hört auf, euch lustig zu machen über Tote im Meer und zu fordern, dass noch mehr dort sterben sollen. Hört auf zu fordern, man solle Flüchtlinge vergasen oder in Auschwitz zum Duschen schicken, was aufs Gleiche raus kommt. HÖRT AUF!!!!!!!!!!!!!! HÖRT VERDAMMT NOCHMAL AUF, VON ETWAS ZU REDEN, VON DEM IHR NICHT DIE LEISESTE AHNUNG HABT. Fragt eure Großeltern und Urgroßeltern wie es im und nach dem Krieg war. Fragt sie! Verbringt ein paar Wochen im Leben eines Flüchtlings bevor er seine Flucht angetreten habt. Fragt euch, was ihr tun würdet, wäret ihr in so einer Situation.

Versteht ihr denn nicht, dass ihr einfach nur verdammt viel Glück hattet und diese Menschen nicht?!

-Andrea

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