Okay.

Eine Freundin hat mir soeben etwas geschrieben, das ich schon hundert mal gelesen habe. Aber so wie sie es mir geschrieben hat, ist mir der Sinn dahinter erst so richtig bewusst geworden.

Ihr kennt das sicher auch. Wenn man Ansichten vertritt, die dem Mainstream wider- oder nicht voll entsprechen, eckt man an. In einem Gespräch über dieses Anecken schrieb sie:

Und ich denke ein Unterschied zu den anderen ist, dass wir bei Problemen oder überhaupt, uns reflektieren und gucken, was wir vielleicht ändern könnten. Nicht, was unsere Kinder falsch machen oder wie wir sie ändern können. Denn unsere Kinder sind okay so wie sie sind und wir vertrauen ihnen. Das machen ganz viele Eltern anders.

Schlafen, essen, streiten, Wutanfälle, Stillen, nuckeln, irgendetwas können oder nicht.. Die Liste könnte ich ewig verlängern, aber auf mich warten gerade andere Aufgaben.

Wie oft werden Kinder dafür verantwortlich gemacht, wenn die Eltern mit der Situation überfordert sind, sie nicht ihren Vorstellungen entspricht? Wie viele tausend Ratgeber gibt es, die die Kinder ändern wollen? Die uns suggerieren, ein Kind ist nicht gut so wie es ist, du musst es ändern, du musst ihm beibringen zu schlafen, mit dem Trinken zu warten, Brei zu essen, lieb zu sein, fillintheblank. Das ist so absurd. Die Kinder werden als perfekte kleine Wesen geboren. Natürlich müssen sie Dinge lernen. Aber dafür haben sie ihren eigenen Plan. Und wenn sie anstrengend sind und wir das Gefühl haben, sie funktionierten einfach nicht, warum sagt man nicht einfach Stopp! zum eigenen Alltag, hinterfragt, was zu der Situation geführt hat und wie wir selbst sie entschärfen und besser machen können? Warum fragen wir nicht, was wir , die Großen und Rationalen und hoffentlich halbwegs Reifen, falsch gemacht haben (nicht genug Zeit eingeplant, Situation falsch interpretiert, zu hohe Erwartungen an zu kleine Kinder gestellt, Signale des Kindes falsch gedeutet, usw.)? Statt sich auf das Kind einzulassen, ihm Zeit zu geben, sich selbst zu entwickeln, wird es geschubst und nicht wenige versuchen es durch allerlei Tricks, Techniken und sowas zu formen und in ihre Vorstellungen von einem perfekten Kind zu quetschen.

Welche Menschen werden durch dieses permanente Suchen nach Fehlern, Über- und Unterschätzen erschaffen? Sicher keine freien Denker, die Vertrauen in sich selbst haben, neue und eigene Wege gehen. Und sicher keine Menschen, die glauben, dass sie so wie sind, okay sind. Denn, wenn schon die Eltern glauben, sie müssten permanent etwas an ihnen ändern, wie sollen sie jemals daran glauben, gut zu sein? Eine andere Freundin meinte, solange es solche Erziehungsmethoden gibt, würde sie sicher nicht arbeitslos. Sie ist Psychotherapeutin.

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