Stillende.

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753 Tage. Das sind zwei Jahre und etwas weniger als ein Monat. Das ist die Zeit, die das Glückskind und ich gestillt haben. Und nun ist es vorbei. Nicht plötzlich. Aber doch überraschend. Nicht abrupt. Aber doch unerwartet.

Aber von vorn. Ich wusste immer, dass ich stillen wollte. Und ziemlich schnell wusste ich auch, dass ich ein Jahr lang stillen wollen würde. Und dann, als der Partner in dieser Beziehung geboren war, wusste ich, dass ich es ihm überlassen würde, wie lange wir stillen. Und so war es dann auch.

Wir stillen nicht mehr. Seit drei Tagen nicht mehr. In den letzten Wochen gab es mehrere Pausen von ein paar Tagen. Aber immer gab es Momente, wo er danach gefragt hat und es einfach nicht ging in der jeweiligen Situation. Er fragt nicht mehr. Mein Kind, das vor Erwartung weinend im Bett auf mich wartete und mit mir nicht anders einschlafen konnte als stillend, schaut sich nun mit mir ein Buch an, ich schalte das Licht aus, sage „Gute Nacht“ und er schläft ein. Ich bin nicht mal sicher, ob er das Kuscheln noch bräuchte. Mein Stillkind, das nachts panisch aufwachte und nur nuckelnd wieder in den Schlaf finden konnte, schläft durch, lässt sich schlafend aufs Töpfchen setzen, lässt es zu, dass man seine Position verändert und, wenn es doch mal aufwacht, schläft einfach wieder ein, wenn der Grund fürs Aufwachen beseitigt wurde. Es ist unfassbar.

Vor etwa sechs Wochen habe ich damit angefangen, ihm draußen zu sagen, dass er doch lieber spielen soll, statt zu stillen („Wir sind doch auf dem Spielplatz! Stillen kannst du zuhause.“). Ich konnte mich kaum hinsetzen, ohne dass er zu mir kam, um zu stillen. Das hat mich gestört. Und nach kurzer Zeit haben wir draußen gar nicht mehr gestillt. Ich hatte es nicht geplant und ehrlicherweise auch nicht damit gerechnet, dass es so läuft. Vielleicht hätte ich dann anders gehandelt und noch gewartet. Aber es wurde immer weniger. Plötzlich morgens nicht mehr. Auch mal abends nicht. Nachts nicht mehr. Und dann immer wieder ganze Tage nicht.

Vor sechs Monaten gab es eine Phase, wo er nicht stillen wollte, weil es weh tat. Damals war ich unendlich traurig, es ging mir zu schnell. Und jetzt? Ich kanns nicht richtig einschätzen. Es fehlt mir. Diese Nähe. Die Vertrautheit in diesem Moment. Die Einzigartigkeit der Beziehung, die keiner von uns zu jemand anderem hat. Ich bin auch jetzt etwas traurig. Traurig, dass diese lange, schöne, intensive, oft fordernde, aber auch erfüllende Zeit zu Ende geht. Ich trauere nicht dem Baby nach. Es ist schlicht eine sehr krasse Veränderung. Ich hätte gern noch bis zum Frühjahr weiter gemacht.

Andererseits bin ich sehr stolz auf dieses wunderbare Kind, das nun so groß ist, dass es ohne das Stillen klarkommt. Ohne Nuckel, den er ja nie hatte. Es passiert gerade so viel. Sprechen, Selbstständigkeit, der Wille und tausend Kleinigkeiten. Dass wir aufhören, passt sehr gut in diese Zeit.

Und es ist wahnsinnig schön, einfach nur so zusammen zu kuscheln. Das ging vorher gar nicht.

Und ich bin natürlich unsagbar glücklich, dass wir so ein entspanntes, ruhiges und nicht abruptes Stillende haben. Ich hatte lange Angst, dass es schwierig werden könnte. Ich konnte mir auch nicht vorstellen ein drei oder vierjähriges Kind zu stillen, obwohl ich wiederum nicht sagen kann, ob ich es nicht doch gemacht hätte. Man wächst in sowas ja auch rein. Und jetzt.. Jetzt ist es mir fast zu früh. Aber ich wollte immer, dass er das Ende bestimmt. Und das hat er. So denke ich.

Und heute Morgen durfte ich das schönste Stillende erleben. Ich war gerade beim Umziehen mit dem Glückskind auf dem Boden. Er sah mich an und fragte „Stillen?“. Ich sagte „Ja, na klar.“. Er dockte an einer Seite an. Nach einer Sekunde grinste er, sah mich an und sagte „Fertig.“ Also zog ich mich weiter an. Da sagte er „Anders Stillen“. Ich fragte „Die andere Seite stillen?“ – „Ja“ – „Okay, na klar.“. Und das gleiche geschah wie davor. Als ich fertig angezogen war, kam er zu mir, streichelte über meine Brust und sagte „Tschüss Stillen!!“. Ob er das nun für den Moment gemeint hat oder allgemein. Ich war überwältigt und bin es noch. Mein großes Baby! <3 <3 <3

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2 comments

  1. Sternchen130813 says:

    Liebe Andrea! :-*
    Mir sind gerade die Tränen gekommen, so berührt hat mich dieser Beitrag von Dir! :‘) Er ist nicht nur schön geschrieben, sondern an sich – also das Geschehene – ist berührend! Zudem kommt, dass wir auch nur noch abends 1xstillen und ich mich frage, wann eswohl vorbei sein wird. Ich fühle dabei genau wie Du! :)
    Viele liebe Grüße und dicke Umarmung :-*

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